Wasserpest bedroht Sport und Traditionen im Schiersteiner Hafen
Der Schiersteiner Hafen ist seit Generationen Heimat zahlreicher Wassersportvereine und ein wichtiger Treffpunkt für Sport, Freizeit und Gemeinschaft. Doch die massive Ausbreitung der Wasserpest stellt die Vereine in diesem Jahr vor enorme Herausforderungen. Mit einem mehrtägigen Arbeitseinsatz haben zahlreiche Ehrenamtliche Ende Juli versucht, die Wasserpflanzen zu entfernen und den Sportbetrieb zumindest teilweise aufrechtzuerhalten. Die Bilanz dieses Kraftakts ist beeindruckend: Rund 1.000 Schubkarrenladungen beziehungsweise etwa 60 Kubikmeter Pflanzenbiomasse wurden aus dem Hafen geholt. Stundenlang arbeiteten Vereinsmitglieder mit Rechen, Gabeln und Schubkarren, um Fahrwasser und Steganlagen wieder nutzbar zu machen. Die Aktion zeigt eindrucksvoll, wie groß das
Engagement der Wassersportlerinnen und Wassersportler für ihren Hafen ist. Besonders erfreulich war die große Bereitschaft, sich einzubringen – auch vereinsübergreifend. Die Mitglieder des Wassersportvereins Schierstein 1921 und des Wiesbadener Yachtclubs unterstützten sich gegenseitig und packten gemeinsam an. Dieser Zusammenhalt ist ein starkes Zeichen für die Verbundenheit der Vereine untereinander und mit ihrem Stadtteil. Gleichzeitig macht der Einsatz aber auch deutlich, dass das ehrenamtlich Leistbare seine Grenzen erreicht. Der enorme körperliche Aufwand ist auf Dauer ebenso wenig zu bewältigen, wie die entstehenden Kosten für Mahd, Transport und Entsorgung der Pflanzenmassen. Umso dankbarer ist der Wassersport-Verein Schierstein für die Unterstützung aus den eigenen Reihen. Die Firma Beiler stellte spontan die benötigten Abrollcontainer zur Verfügung und übernahm zudem die Entsorgung der Biomasse – eine Hilfe, ohne die der Arbeitseinsatz kaum in dieser Form möglich gewesen wäre.
Den Vereinen ist bewusst, dass sie mit ihren Arbeitseinsätzen lediglich die Symptome bekämpfen. Die Ursachen der starken Ausbreitung der Wasserpest lassen sich nicht durch ehrenamtliche Arbeit beseitigen. Hier sehen die Vereine vor allem die Gewässereigentümer in der Verantwortung – in erster Linie den Bund und mit einem kleineren Anteil auch die Landeshauptstadt Wiesbaden. Sie fordern eine zeitnahe, nachhaltige Lösung, damit der Schiersteiner Hafen dauerhaft als Wassersportrevier erhalten bleibt. Die Auswirkungen des Bewuchses sind bereits heute deutlich spürbar. Der Trainingsbetrieb aller Wassersportvereine ist erheblich eingeschränkt. Boote können vielerorts nur unter großem Kraftaufwand bewegt werden oder bleiben in den Pflanzen hängen. Besonders gravierend ist, dass inzwischen auch überregional bedeutende Veranstaltungen nicht mehr durchgeführt werden können. So musste die traditionsreiche Große Wiesbadener Kanuregatta 2026 abgesagt werden, zu der rund 500 Sportlerinnen und Sportler aus ganz Deutschland erwartet worden waren. Auch Segelregatten konnten in diesem Jahr zum Teil nicht stattfinden und die im Wassersportverein Schierstein 1921 verankerte Schulsozialarbeit musste ihr Angebot einschränken. Darüber hinaus trifft die Situation nicht nur den Sport, sondern das gesamte gesellschaftliche Leben rund um den Hafen. Besonders schmerzlich war die Absage des illuminierten Bootskorsos, der traditionell einen der Höhepunkte des Schiersteiner Hafenfestes bildet. Seit vielen Jahren gestalten die Wassersportvereine diesen Korso mit großem ehrenamtlichem Engagement und zeigen damit ihre enge Verbundenheit mit Schierstein. Dass diese liebgewonnene Tradition in diesem Jahr ausfallen muss, ist für viele Bürgerinnen und Bürger ein sichtbares Zeichen dafür, wie ernst die Lage inzwischen geworden ist.
Die Wassersportvereine werden sich auch künftig für den Erhalt ihres Reviers einsetzen. Der außergewöhnliche Arbeitseinsatz hat gezeigt, wie groß das ehrenamtliche Engagement ist. Gleichzeitig ist aber deutlich geworden, dass die Vereine die Folgen der Wasserpest nicht dauerhaft allein bewältigen können. Damit Sport, Veranstaltungen und Traditionen im Schiersteiner Hafen auch künftig eine Zukunft haben, sind jetzt nachhaltige Maßnahmen der zuständigen Stellen dringend erforderlich.
Stefan Hausmann
Bilder: Wassersportverein Schierstein 1921 e.V.