Herbst 2026

Schiersteiner Fischer, Flößer und Weinbau in der Geschichte

Schiersteiner Heimatmuseum e.V. →

Schiersteiner Fischer, Flößer und Weinbau in der Geschichte

Fischer

Schierstein zählte einst zu den größten und bekanntesten Fischerdörfern am Mittelrhein. Bei einer Durchreise des Kaisers Rudolf von Habsburg zu seiner Hofhaltung in Mainz überreichten Schiersteiner Fischer im 13. Jahrhundert einen großen frischgefangen Salm. Sie bekamen die Auflage den Fisch in Mainz zuzubereiten. Der Salm mundete dem Kaiser so gut, dass die Fischer das Kaiserliche Recht erhielten, ohne Behinderung und Abgaben von Mainz bis Rüdesheim in den Gewässern fischen zu dürfen. Mit dem Bau des Hafens erlebte der Fischerberuf um 1900 noch einmal eine große Blütezeit. Bei Wind und Wetter ruderten die Fischer mit ihren Nachen zu den Fanggründen an die Auen, in die schilfbewachsenen Buchten und Krippen sowie die Nebenarme des Rheins. Das Ortsbild am Hafen war von den Fischerkaten, Netzen und Stegen mit den Nachen geprägt. Die durchlöcherten Fischkästen, etwa ein Meter breit und hoch und oben mit einer Klappe versehen, hingen mit langen Ketten versehen an der Uferböschung zu dreiviertel im Wasser. Hier konnten die von den Fischern sortierten und dort eingesetzten Fische zwischengelagert werden. Sie blieben so am Leben bis sie gebraucht oder in Gaststätten und auf dem Markt in Wiesbaden verkauft werden konnten. Nicht selten waren 30 bis 40 Zentner (= 15 bis 20 kg) bei einem Fang im Netz. Auch im Winter wurden unter einer geschlossen Eisdecke unter erschwerten Bedingungen Fische gefangen. Meist waren es Rotaugen, Weißfische, Barben, Karpfen, Aale, Barsche, Hechte und Zander. Früher gab es auch einmal einen Salm oder Lachs im Netz.

Da es ja noch keine Kühlschränke gab wurden im Winter die großen Eisschollen mit Haken ans Ufer geschoben und auf Pferdekarren geladen, die dann in die Kühlkeller der Metzgereien und Hotels gebracht wurden, um auch im Sommer verderbliche Waren frisch halten zu können. Die fortschreitende Verunreinigung des Wassers, die damit verbundene Ungenießbarkeit der Rheinfische führten in den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts zum Aussterben dieses Berufszweiges.

Im Heimatmuseum erinnern Bilder und die typischen Fischergeräte noch an die Schiersteiner Berufsfischer.

Flößer

Die Zunft der Flößer gab es viele hundert Jahre. Das Holz wurde in den Wäldern der umliegenden Mittelgebirge geschlagen und mit kleinen Einmannflößen auf kleinen Flüssen zum Beispiel zum Main und Neckar gebracht. Hier wurden die kleinen Flöße zu mittleren Flößen zusammengebaut und zu den nächst größeren Floßländen gebracht. Dort wurden die einzelnen Flöße zu großen Einheiten zusammengebaut und auf dem Rhein bis nach Holland transportiert. Zu den großen Holzumschlagplätzen zählten am Rhein Mainz, Mannheim und Koblenz. Nach der Fertigstellung des Hafen 1858 entwickelte sich der Schiersteiner Hafen zu einem großen Holzumschlagplatz. Um diese Arbeiten durchführen zu können, mussten die vorher behauenen und geschälten Stämme zum Wasser transportiert „gerollt“ werden. An diese Art des Transportes erinnert noch der Straßenname der heutigen Wasserrolle. Die Stämme wurden im Osthafen im Wasser zu großen Flößen zusammengebaut. An diese Zeit erinnert die Bushaltestelle „Floßhafen / Dow Corning“ in der Rheingaustraße.

Flöße zusammenzubauen war eine große Kunst und eine sehr anstrengende Arbeit. Das Holz musste nach der Holzart sortiert werden. Zwischen die schweren Hölzer der Eiche und Buche mussten die leichteren und besser schwimmenden Fichten und Tannen als Tragholz eingefügt werden. Die Flößer standen bei ihrer Arbeit auf den losen Stämmen und fügten sie zu den großen Einheiten zusammen. Fast wöchentlich verließen ein oder zwei fertiggestellte Flöße, die oft 60 m breit und eine Länge von bis zu 220 m erreichten, den Hafen. Für die Reise mussten auf dem Floß in einfachen Bretterbuden der Proviant verstaut werden. Auch dienten einfache Bretterbuden als Unterkunft der „Tiroler“, die für das Fortbewegen und Lenken des Floßes verantwortlich waren. Das Steuern und Lenken in Kurven war mit einem solche großen Floß eine Kunst und erforderte viel Erfahrung und Kraft. Auf Grund der immer moderne werdenden Beförderungsmittel, z. B. Dampfschiffe, starb in den 1950er Jahren dieser Beruf aus. Im Heimatmuseum kann man Bilder der Flößer an der Fotowand anschauen.

Weinbau

Ein weiterer alter Berufszweig ist in Schierstein der Weinbau. Ein lückenloser Nachweis für den Schiersteiner Weinanbau kann mit der Schenkungsurkunde des Kaisers Otto II. vom 18. September 973 erbracht werden. Aus dem Jahre 1602 stammt ein Pachtvertrag des Mainzer Stephansstiftes über vier Morgen Weinland in Schierstein mit „Rußlingtrauben“. Das ist der älteste Beleg für den Anbau von Rieslingtrauben in Schierstein. Die verschiedenen Kriege, vor allem der 30-jährige Krieg, brachte große Not und Elend über die Einwohner von Schierstein. Die Weinberge verwilderten und lagen brach. So kam es immer mehr zum Anbau von schnellwachsenden Feldfrüchten. Aber Weinbau wurde immer etwas betrieben wenn auch in kleinerem Maße. 1954 waren von 280 Morgen nur 54 Morgen bebaut. (1 Morgen = 0,25 Hektar, 1 Hektar = 10.000 qm). 1948 erzielten die Schiersteiner Lagen „Hölle“, „Dachsberg“, „Enerst“, „Honigberg“, „Steinberg“ und „Himmelreich“ die besten Beurteilungen. Heute gibt es direkt in Schierstein nur noch das Weingut Meilinger. 1952 begann hier der Wandel vom landwirtschaftlichen Betrieb mit Obst- und Weinbau zum Weingut Heinz Meilinger. 1973 wurde komplett auf Weinbau umgestellt. Heute werden 9 ha Rebfläche ausschließlich in der Lage Schiersteiner Hölle bewirtschaftet. Im Schiersteiner Heimat-

Ihr Partner für moderne Haustechnik

• Heizsysteme für Ihr Zuhause – Wärme, Komfort & Effizienz • Intelligente Lüftungssysteme für gesunde Innenräume • Maßgeschneiderte Klimatisierung zu jeder Jahreszeit • Sanitärlösungen für zeitgemäße Ansprüche in Ihrem Objekt

Alte Schmelze 21 | 65201 Wiesbaden | [email protected] | +49 (0)611 22371 museum gibt es diverse Ausstellungsstücke zum Weinbau. Am Schiersteiner Weinprobierstand werden im Wechsel von den Weingütern Höhn (Dotzheim), Karthäuserhof (Mainz-Hechtsheim), Manuel Klepper (Frauenstein) und Meilinger (Schierstein) Schiersteiner Weinlagen ausgeschenkt. Der Weinstand am Hans-Römer- Platz ist von April bis Oktober an den Wochenenden geöffnet und erfreut sich großer Beliebtheit.

Irmgard Hassenbach

Podologe

Teilen:WhatsAppFacebookE-Mail

Mehr über Schiersteiner Heimatmuseum e.V. erfahren:

Schiersteiner Heimatmuseum e.V. →